Der richtige Umgang mit Wildtierbabis

Kleine Zeitung, 02. Mai 2019. Nach einem harten Winter litten vor allem Wildtierbabis unter dem nasskalten Wetter der letzten Tage. Oft finden Spaziergänger verletzte oder vermeintlich verlassene Jungtiere. Die richtige Hilfe ist in diesem Fall wichtig!

Schon im Winter litten Österreichs Wildtiere unter den harten Bedingungen, in vielen Regionen fehlen Dutzende Tiere. Und auch im Frühling gibt es kein Aufatmen: Seit kurz vor Ostern musste der Tierschutzhof Pfotenhilfe in der Grenzregion OÖ/Sbg. schon dutzende Wildtierwaisen, darunter Feldhasen, Eichhörnchen, Marder, Singvögel, Krähen, Tauben und Waldkäuze, aufnehmen - und täglich kommen einige dazu.

"Seit Wochen steht unsere Wildtierhotline nicht mehr still", so Geschäftsführerin Johanna Stadler, die die Babys persönlich aufzieht und gesundpflegt. "Das derzeitige nasskalte Wetter führt zu einer Verschärfung der Situation, weil Futtermangel das Überleben der Jungtiere zusätzlich gefährdet."

Die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe gibt auf ihrer Wildtierhotline 0677/614 25 226 auch wertvolle Tipps für richtiges Verhalten, wenn man Hasen- und andere Wildtierbabys entdeckt und wie man Wildtiere sonst noch schützen und unterstützen kann.

"Anders als die meisten Säugetiere, lässt die Hasenmutter ihre Babys unbeaufsichtigt und kehrt erst viele Stunden später zurück, um sie zu säugen. Die Kleinen sind in dieser Zeit auf sich alleine gestellt und verhalten sich ganz ruhig. Spaziergänger finden die vermeintlich hilflos zurückgelassenen Wildtiere und glauben oft, sie retten zu müssen", so Stadler. "In diesem Moment wird eine Familie auseinandergerissen, die keine Hilfe gebraucht hätte. Die Mutter beginnt aufgeregt nach ihren Kindern zu suchen, während diese in unerfahrener Menschenhand kurze Zeit später sterben, oder in einer Wildtierauffangstation wie dem Tierschutzhof Pfotenhilfe von erfahrenen Pflegern rund um die Uhr aufwändig versorgt werden müssen um zu überleben."

Warnung vor übereilten Rettungen

Die Pfotenhilfe rät daher die Finger von übereilten Tierrettungen zu lassen und vor dem Angreifen eines Wildtieres erfahrene Wildtierstationen wie die Pfotenhilfe anzurufen, wo man sich informieren kann, ob ein aufgefundenes Tier Hilfe benötigt. "Bringt meine Katze oder mein Hund ein Feldhasenbaby nach Hause, braucht dieses aber auf jeden Fall Hilfe, weil es nicht nur entführt wurde sondern wahrscheinlich auch zumindest innere Verletzungen hat", so Stadler weiter.

Auch bei den vielen Singvögeln ist guter Rat gefragt. So leben die Küken von Bodenbrütern wie der Amsel nicht auf Bäumen und brauchen daher keine Hilfe, wenn sie im Garten herumhüpfen. "Ein am Boden liegendes, schreiendes Eichhörnchenkind oder ein komplettes Eichhörnchennest hingegen braucht sofortige Hilfe, weil es wahrscheinlich aufgrund eines Sturms oder Baumschneidearbeiten auf den Boden gefallen ist. Die Mutter kehrt in solchen Fällen nicht zurück", erläutert Stadler.

Gärten natürlich gestalten

Hilfreich ist ganzjährig Futter auszulegen, weil viele Tiere in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft mit ihren riesigen Agrarwüsten nicht mehr genug finden. Es liegt aber auch an jedem Gartenbesitzer, seinen Garten etwas natürlicher zu gestalten, hier einige Tipps:

  • Sträucher erst nach der Brutsaison schneiden, Bäume nicht im Frühjahr fällen
  • Wildgehölzhecken pflanzen, die Vögeln und Kleinsäugern als Versteck, Kindergarten und Nahrungsquelle dienen.
  • Eine Handvoll Blumensamen wird in wenigen Wochen zur Insektenweide
  • Genauso wichtig wie der Verzicht auf chemische Spritzmittel und Dünger.

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