Supersüß, aber krank - Achtung vor Qualzucht!

Was haben Bulldoggen, Kropftauben und Ballonmolly gemeinsam? Es sind Tiere, bei denen Qualzuchtmerkmale auftreten können.

Ein Beitrag von: Mag. Dr. Jutta Wagner, Tierschutzombudsfrau.

Sehen Sie sich beliebte Hunderassen an: Chihuahua, Mops, französische und englische Bulldogge oder Pekinese. Jede Tierrasse trägt ihre spezifischen gesundheitlichen Risiken. Das verkaufsfördernde „Kindchen-Schema“  kann z.B.  zu Gebissfehlbildungen oder zu Geburts- und zu Atemschwierigkeiten führen. Dieses „Kindchen-Schema“ kommt durch eine Verkürzung des Vorderschädels zustande  (Brachycephalie). So sind Schnarchgeräusche oder Atemnot immer ein Zeichen für Störungen im Atemtrakt und müssen tierärztlich abgeklärt werden. Hunde und Katzen benötigen einen funktionierenden Nasen- und Rachenraum zur Körpertemperaturregelung. Hundedecken mit auswechselbaren Kühlakkus und chirurgische Hilfen versprechen lediglich eine Linderung der Symptome.

Offene Schädelknochenlücken (Fontanellen) bei Hundewelpen schließen sich kurz nach der Geburt meist spontan. Allerdings gibt es Hunderassen, bei denen das Zuwachsen offener Fontanellen nur sehr langsam oder gar nicht funktioniert. Besonders typisch ist dieses Phänomen bei den kleinwüchsigen Rassen Chihuahua und Yorkshire Terrier. Für solche Hunde wäre ein leichter Schlag auf den Kopf tödlich.

Quälende Gelenksdeformationen.

Beobachten Sie kleine Hunderassen beim Spazierengehen! Dabei wird Ihnen gelegentlich auffallen, dass das Tier zeitweise auf drei Beinen läuft. Der Grund ist eine Verschiebung der Kniescheibe. Diese führt zu einer zeitweisen, in schweren Fällen bleibenden  Blockierung des Kniegelenkes. Im Fachjargon nennt man diese Erkrankung Patella Luxation.

Hüftgelenksdysplasie (HD),  Ellbogengelenksdysplasie (ED) und Osteochondrosis dissecans (OCD) sind hingegen Erkrankungen bei schnellwüchsigen großen Hunde- und Katzenrassen. Durch eine Fehlentwicklung in den Gelenken kommt es zu Lahmheit.

Augenerkrankungen als Folge von Qualzucht.

Wer kennt nicht chronisch tränende Augen bei Tieren? Bei vielen Rassen sind an der Hornhaut kratzende Gesichtshaare dafür verantwortlich. Eine Untersuchung beim Tierarzt bringt auch hier Klarheit. So können Augenlider eingerollt oder zusätzliche Haare vorhanden sein.

Auch Augenerkrankungen mit folgender Erblindung können genetisch bedingt sein. Bekannt ist die „Collie Augen Anomalie“ (CEA) bei Collie Rassen. Andere vererbbare Augenerkrankungen sind die fortschreitende Netzhautdegeneration (PRA), der angeborene graue (Katarakt) und grüne Star (Glaukom).

Rassetiere mit stark ausgebildeten Hautfalten wie z.B. Shar Peis oder Bassets bekommen durch Sekret- und Schmutzansammlungen häufiger Hauterkrankungen.

Bandscheibenvorfälle kommen bei bestimmten Hunderassen ebenso gehäuft vor. Obwohl der Begriff „Dackellähme“ auf eine Hunderasse hinweist, sind u.a. Pekinesen, Scottish Terrier, Spaniel, Französische Bulldoggen und Zwergpudel für die Erkrankung anfällig. Ursache ist eine genetisch fixierte Knorpelwachstumsstörung (Chondrodystrophie).

Die Liste an vererbbaren Qualzuchtmerkmalen würde sich noch weiter führen lassen - meine beispielhaften Aufzählungen sollten Sie lediglich für das Thema Qualzucht sensibilisieren. Gezüchtet wird, was sich Tierhalter wünschen. Daher überlegen Sie bitte genau, was für Sie wichtig ist. Informieren Sie sich vor Anschaffung Ihres Haustieres über rassespezifische Qualzuchtprobleme und kaufen Sie Rassetiere ausschließlich über seriöse Züchter!

Was ist Qualzucht?

Als Qualzucht bezeichnet man Züchtungen, bei denen Eigenschaften gefördert oder geduldet werden, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen verbunden sind.

Das Ziel des österreichischen Tierschutzgesetzes ist der Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere. Aus diesem Grund haben Züchter die Pflicht, die Zucht anzumelden und Aufzeichnungen zu führen. Alle Maßnahmen, welche Qualzucht bei den gezüchteten Tieren verhindern, müssen dokumentiert werden.

Um sogenannte Qualzüchtungen zu unterbinden, müssen Tiere mit solchen Genfehlern von der Zucht ausgeschlossen werden. Denn wenn das Leiden bei ihren Nachkommen tatsächlich vorkommt, ist eine Qualzucht erst sichtbar. Wer Tiere mit Qualzuchtmerkmalen importiert, erwirbt, vermittelt, weitergibt oder ausstellt, macht sich im Sinne des österreichischen Tierschutzgesetzes strafbar. Soweit die rechtliche Grundlage. Wichtig ist jedoch die Aufklärung der Tierhalter zum Thema Qualzucht!

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